Die M.straße

Die Kölner M.straße erzählt eine Geschichte, die bis in das späte dritte, frühe vierte Jahrhundert zurückreicht. Die Straße grenzt an das Gereonsviertel, das eines der ältesten Zeugnisse afrikanisch-deutscher Geschichte darstellt.

Im Laufe des 12. Jahrhunderts wurde die in diesem Viertel errichtete Kirche St. Gereon zu einem Ort der Verehrung von Heiligen, die einigen Überlieferungen zufolge Schwarz gewesen sein sollen. Den Ausgang für sämtliche Geschichten zu diesen Kölner „Lokalheiligen“ St. Gereon und Gregorius Maurus, bildet die Legende, die sich um eine Truppe thebäischer Legionäre rankt.

Nach einer der ältesten Fassungen dieser Legende stellte Maximian, der Mitkaiser Diokletians, in seinem Herrschaftsbereich Ägypten eine Legion zusammen, deren Soldaten zum großen Teil aus der römischen Provinz Theben stammten. Mit einem durch diese thebäische Legion verstärkten Heer zog er aus, um Aufstände in den gallischen und germanischen Provinzen niederzuschlagen. Sie erhielten den Befehl, Christen zu verfolgen. Dieser Anordnung verweigerten sich die christlich getauften Thebäer, worauf sie in Köln hingerichtet wurden. An der Spitze derer, die sich dem Befehl widersetzten und zum Widerstand motivierten, standen die Befehlshaber Gereon und Gregorius Maurus. Ihre Körper sollen, so wird berichtet, in einen Brunnen an der Heerstraße von Köln nach Venlo geworfen worden sein, über den dann die Kirche St. Gereon errichtet wurde.

Über den Wahrheitsgehalt dieser Legende lässt sich streiten, da sich weder die Existenz einer thebäischen Legion zu der Zeit nachweisen lässt noch sich fundierte Hinweise zu den einzelnen Märtyrern finden lassen. Dazu kommt, dass die Ikonographie der heiliggesprochenen Märtyrer selten eindeutige Rückschlüsse auf eine thebäische, also afrikanische Herkunft zulässt.

Einigen Theorien zufolge wurden diese Heiligen erst mit dem Beginn der Kreuzzüge „afrikanisiert“. Der Beiname Maurus des Heiligen Gregorius kann aber auf eine Herkunft vom afrikanischen Kontinent deuten. Für den europäischen Betrachter der Kreuzzugszeit, der über Afrika fast keine Kenntnis besaß, war jeder Bewohner dieses Kontinents schwarz, was im Mittelhochdeutschen durch den Begriff „môr“ versprachlicht wurde.

Die Legende überdauerte die Jahrhunderte, bis sich 1844 der Kirchenvorstand von St. Gereon dafür einsetzte, die neu angelegte Verlängerung des Berlichs bis zur Gereonstraße, in Erinnerung an diese Legende, M.straße zu nennen. Dass hier ein afrikanischer, Schwarzer Heiliger geehrt wird, ändert nichts daran, dass das M-Wort als rassistisch anzusehen ist. Eine Umbenennung dieser Straße wäre also angebracht.

Teile diese Website mit deinen Freund*innen!

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on email
Share on whatsapp