Gustav-Nachtigal-Straße

Gustav Nachtigal (1834-1885) wird in Lexika meist nur als „Afrikaforscher“ beschrieben, dabei spielte er eine Schlüsselrolle bei der Errichtung der deutschen Kolonialherrschaft über Togo, Kamerun sowie „Deutsch-Südwestafrika“, dem heutigen Namibia. Er griff er auf militärische Gewalt und in Togo sogar auf Erpressung durch Geiselnahme zurück.

Nach Afrika kam er im Jahre 1862 – eigentlich im Rahmen einer Genesungsreise. Nachdem er einige Jahre in Algerien und Tunesien verbracht hatte, reiste er mehrere Jahre durch Libyen, Nigeria, den Tschad und den Sudan bis nach Ägypten. Nach Veröffentlichung des ersten Bandes seines dreiteiligen Reise- und Forschungsberichtes »Sahara und Sudan« im Jahre 1879 ernannte ihn die »Berliner Gesellschaft für Erdkunde« zu ihrem Präsidenten.

Weit weniger bekannt ist, dass Nachtigal 1882 dem diplomatischen Dienst beitrat und als Generalkonsul des Deutschen Reiches nach Tunis entsandt wurde. Auf Drängen Otto von Bismarcks übernahm die Aufgaben eines Reichskommissars für Westafrika. Im Geheimauftrag fuhr er auf dem Kriegsschiff „Möwe“ an die Küsten Westafrikas, um bereits erfolgte Landkäufe hanseatischer Afrikahändler durch die Errichtung von sogenannten „Schutzherrschaften“ gegen die europäische Konkurrenz zu sichern. So schloss er im Auftrage des Deutschen Reiches in Togo und Kamerun „Schutzverträge“ ab und erklärte die Gebiete damit zu deutschen Kolonien. Dabei griff Nachtigal offenbar auch zu erpresserischen Methoden. So versuchte er im Juli 1884 in Klein Popo in Togo den ersten »Schutzvertrag« vom einheimischen König G.A. Lawson III. zu erpressen, indem er die zwei von der deutschen Marine nach Berlin entführten westafrikanischen Geiseln Gomez und Wilson länger als beauftragt an Bord seines Kriegsschiffes »Möwe« gefangen hielt.

Auch in Kamerun war die Einrichtung einer sogenannten  „Schutzherrschaft“ mit militärischer Gewalt verbunden.

In seiner Funktion als Reichskommissar für Westafrika legitimierte Nachtigal auch die von Adolf Lüderitz betrügerisch erworbenen Landrechte in der späteren Kolonie Deutsch-Südwestafrika.

Köln war für Nachtigal ein wichtiger Bezugspunkt, da er einen großen Verwandtenkreis in der Stadt hatte. Zwischen 1858 und 1861 war er Militärarzt in Köln.

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