Moltkestraße

Der nach dem siegreichen Krieg gegen Frankreich 1871 zum General-Feldmarschall ernannte Helmuth Graf von Moltke gehörte schon früh zu den Befürwortern einer deutschen Expansion nach Übersee. So warb er bereits zwischen 1841 und 1844 in den Beilagen der „Augsburger Allgemeinen Zeitung“ für die Errichtung eines christlichen Staates Palästina (damals Teil des Osmanischen Reichs), der von einem deutschen Fürsten regiert werden sollte. In einem seiner Artikel heißt es u. a.: „England hat sich in allen Weltteilen und auf allen Meeren einen Schauplatz geschaffen, wo es die nachgeborenen Söhne seines Adels versorgt, den kriegerischen Mut seiner Jugend erprobt, seinem Handel neue Kanäle, seinem Gewerbefleiß neue Märkte eröffnet. Frankreich suchte in Algier den Ableiter für den oft krankhaften Überfluß seiner Kraft, und wenn ihm die Kolonisation bisher schlecht genug gelungen, so wünschen wir seinem Streben im Interesse der Zivilisation den besten Erfolg. Sollte aber Deutschland nicht begierig zugreifen, wenn sich ihm eine Möglichkeit bietet, deutsche Gesittung und Tatkraft, Arbeitsamkeit und Redlichkeit über die deutschen Marken hinaus zu verbreiten?“

Als das Deutsche Reich in den 1880er Jahren schließlich doch noch in die Reihe der europäischen Kolonialmächte trat, verfolgte Moltke die Entwicklung der Kolonien mit Interesse. Große Bewunderung hegte er für die beiden so genannten „Kolonialpioniere“ Carl Peters und Hermann Wissmann wegen ihres „schneidigen Vorgehens“ gegen die einheimische Bevölkerung. Die brutale Kriegsführung Wissmanns in Deutsch-Ostafrika bei der Niederschlagung des so genannten „Araberaufstands“ 1889/90 kommentierte Moltke mit den Worten: „Der Mann macht mir Freude. So einen habe ich gern. Der geht doch feste da unten vor und hängt die Schufte auf, da wo sie es verdienen.“ Dass Deutschlands „Platz an der Sonne“ nur von kurzer Dauer sein sollte, erlebte der General-Feldmarschall nicht mehr. Helmuth Karl Bernhard von Moltke starb am 24. April 1891 in Berlin.

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