Namibiastraße

Seit dem Jahr 1990 gibt es im „Afrika-Viertel“ in Nippes eine Namibiastraße. Die Umbenennung der Straße, die zuvor Carl-Peters-Straße hieß, erfolgte zum Zeitpunkt der Unabhängigkeit Namibias. Namibia hatte als letzte der vormaligen Kolonien auf dem afrikanischen Kontinent seine staatliche Souveränität erlangt, womit – nach einem langen und blutigen Befreiungskampf – eine mehr als hundertjährige Fremdherrschaft zu Ende ging. Von 1884 bis 1914 trug Namibia den Namen Deutsch-Südwestafrika und war eine Kolonie des wilhelminischen Kaiserreichs. Nach dem Ersten Weltkrieg gelangte Südwestafrika unter die Mandatsherrschaft Südafrikas, d.h. des weißen Minderheitsregime in Pretoria.

Deutsch-Südwestafrika war die einzige Siedlungskolonie des Deutschen Reichs, in der mehr als die Hälfte aller Kolonialdeutschen lebte. Die deutschen Siedler ließen sich vor allem im zentralen Hochland nieder, mit der Folge, dass es zur Verdrängung der einheimischen Bevölkerung aus den besten Weidegebieten kam.

Nach vorangegangenen, wiederholt auch gewaltsam ausgetragenen Konflikten brach im Januar 1904 der im deutschen Sprachgebrauch so genannte Hereo-Nama-Aufstand aus. Dieser Kolonialkrieg dauerte bis Anfang des Jahres 1908 und erschütterte die Kolonie nachhaltig. Zunächst erhoben sich die Herero unter ihrem Paramount-Chief Samuel Maharero gegen die deutsche Kolonialherrschaft. Als Kriegsursachen gelten die Verschärfung der sozialen Spannungen mit den in immer größerer Zahl einwandernden weißen Siedlern, die Vergewaltigungen von Herero-Frauen, eine nach Hautfarbe entscheidende Kolonialgerichtsbarkeit, das Händler- und Kreditunwesen, Landverluste und die Einrichtung erster Reservate, in die die Afrikaner abgeschoben werden sollten. Der von Kaiser Wilhelm II. entsandte Generalleutnat Lothar von Trotha führte als neuer Oberbefehlshaber der Schutztruppe einen gnadenlosen Feldzug gegen die Herero durch. Der Vernichtungsbefehl von Trothas mündete in den ersten Genozid des 20. Jahrhunderts.

Ab Oktober 1904 erhoben sich im Süden des Landes auch die Nama unter Hendrik Witbooi und nach seinem Tod unter Jacob Marengo und anderen Anführern. Auf den jahrelangen Guerillakrieg der Nama reagierte die deutsche Seite mit einer Politik der „verbrannten Erde“. Letztlich erlag auch dieser Widerstand der Übermacht des deutschen Kolonialmilitärs. Die überlebenden Nama wurden wie zuvor die überlebenden Herero in Konzentrationslagern interniert.

Die verschiedenen Bundesregierungen weigerten sich lange, den Völkermord als solchen anzuerkennen. Eine offizielle Entschuldigung steht aber immer noch aus, Reparationszahlungen wurden bislang verweigert.

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