Usambarastraße

Bei der Usambarastraße mag man unweigerlich an das Usambaraveilchen denken, eine hierzulande bekannte Topfpflanze, die früher fast jede Fensterbank zierte. Ganz abwegig ist die Verbindung von Straßennamen zu Pflanze nicht. Denn Usambara bezeichnet eine Bergregion im Nordosten Tansanias, die nicht nur dem Veilchen, sondern auch der Straße im Kölner Stadtteil Nippes seinen Namen gab.

Am 13. September 1990 beschloss die Bezirksvertretung Nippes auf Antrag der Grünen, die Lüderitzstraße in Usambarastraße umzubenennen.

Franz Adolf Eduard Lüderitz, nach dem die Straße 1935 benannt worden war, wurde während des Nationalsozialismus als „Vater der ersten deutschen Kolonie“ gefeiert. Mit der Benennung wollte man ihm ein Denkmal setzen und gleichzeitig auf die Notwendigkeit von Kolonialbesitz aufmerksam machen.

Getrieben von der Aussicht auf Diamantenfunde eignete sich der Bremer Großkaufmann Lüderitz durch betrügerische Verträge große Gebiete in der späteren Kolonie Deutsch-Südwestafrika, dem heutigen Namibia, an. Lüderitz legte seinen „Landerwerbsverträgen“ preußische statt englischer Meilen zu Grunde und beanspruchte somit durch beliebige Ausweitung schließlich ein Mehrfaches des verhandelten Gebietes für sich. Die fragwürdigen Vertragsgrundlagen dieser „Erwerbungen“ brachten Lüderitz schon früh den Spottnamen „Lügenfritz“ ein.

In seiner Funktion als Reichskommissar für Westafrika legitimierte Gustav Nachtigal nachträglich die von Adolf Lüderitz betrügerisch erworbenen Landrechte in der späteren Kolonie Deutsch-Südwestafrika.

Warum nun die Lüderitzstraße in Usambarastraße umbenannt wurde, ist nicht mehr zu klären. Zwischen Lüderitz und den Usambarabergen gibt es keinerlei historische Verbindung. Die Grünen, die den Prozess der Umbenennung vorantrieben, wollten die Lüderitzstraße in Marengostraße umbenennen. Sie fanden es angemessener, eine Symbolfigur des Freiheitskampfes gegen koloniale Gewalt durch eine Benennung zu ehren. Jakob Marengo war einer der Anführer des afrikanischen Widerstandskampfes gegen die deutsche Kolonialherrschaft in „Deutsch-Südwestafrika“. 1907 wurde er erschossen. Der Vorschlag der Grünen konnte sich in der Bezirksvertretung jedoch nicht durchsetzen.  Letzten Endes entschied sich die Bezirksvertretung mit Blick auf die anderen Straßennamen im Viertel für einen Namen, der auf den afrikanischen Kontinent Bezug nehmen sollte. Der historische Kontext der ursprünglichen Benennung wurde dabei vollkommen außer Acht gelassen.

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