Über das Projekt

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Zu uns

Wir schreiben aus einer PoC*-Perspektive, deswegen ist uns die folgende Einordnung wichtig: Wir verstehen unter Desintegration eine Haltung zu allen gesellschaftlichen Vorgängen, die auf Ungerechtigkeit gegenüber Personen und Gruppen basieren, die mit weniger Privilegien und Macht ausgestattet sind.

Zum einen teilen wir, durch die Positionierung als People of Colour, die gemeinsame Erfahrung in einer weiß dominierten Gesellschaft zu arbeiten zu lieben und zu leben. Wir erleben Rassismus aufgrund unserer äußeren Merkmale sowohl im Alltag als auch im Beruf. Zum anderen identifizieren wir uns mit dem weiblichen Geschlecht, auch haben Personen in unserem Team eine nichtbinäre Geschlechtsidentität, verstehen sich als queer und so werden wir auch von außen gelesen. Dies bedeutet in unserer immer noch heteronormativen männlich dominierten Gesellschaft Diskriminierungserfahrungen aufgrund der Geschlechtskategorie, weswegen wir immer versuchen, intersektionale Aspekte in unserer Arbeit aufzugreifen.

Weiterhin plädieren wir für einen ressourcenorientierten Perspektivwechsel: Anstatt Migration, Flucht, soziale Herkunft, sexuelle Orientierung und weitere „Merkmale“ zu problematisieren, möchten wir das Potential, das sich aus Diversität ergibt, sichtbar und für andere Menschen zugänglich machen.

Dazu gehört es aber auch, auf strukturelle Ungleichheiten aufmerksam zu machen, die aus den verschiedenen Diskriminierungskategorien hervorgehen. Das Ziel unseres professionellen Tuns ist es dazu beizutragen, dass sich Menschen selber Gehör verschaffen und in kreativer Weise und in Zusammenarbeit mit anderen Handlungsschritte zu entwickeln, die ihnen in ihrer Lebenswirklichkeit eine Hilfestellung bieten und so zu mehr Gleichberechtigung beitragen.

Warum wir machen, was wir machen

In der deutschen Erinnerungskultur werden zumeist der Nationalsozialismus und die Kolonialzeit als historische Schlüsselereignisse markiert, deren Auswirkungen bis in die Gegenwart spürbar und nicht zu verleugnen sind.

 Ein Verständnis von rassistischen und antisemitischen Strukturen, Denk- und Handlungsmustern als Phänomene, die nur Randgruppen und/oder Einzeltäter*innen zuzuordnen wären, greift zu kurz und verdeckt die systemische Verankerung von ungleichen Machtverhältnissen, die über individuelle Einstellungen hinaus ihre Wirkmächtigkeit entfalten.
Vielmehr müssen diese als Teil eines historischen Erbes verstanden werden, das nur in gesamtgesellschaftlicher Aufarbeitung aufgedeckt und abgebaut werden kann.

WIR – SIND NICHT DER NABEL DER WELT

Wir beschäftigten uns in unserem Projekt hierbei mit der zentralen Frage, wie ein postkolonialer Blickwinkel auf unsere Gesellschaft zur Bewusstwerdung dieses historischen Erbes beitragen und zur kritischen Auseinandersetzung sowie einem selbstreflexiven Weiterdenken anregen kann. Wir wollen dazu anregen, inwiefern die eigenen Interpretationen der Geschichte und der Gegenwart dominante Erzählweisen widerspiegeln mit der eigenen Verflochtenheit in rassistische und koloniale Strukturen verwickelt sind und welche alternativen Deutungsmuster möglich sind. 

Eine kritische Herangehensweise, die Bewusstwerdung der historischen Entstehungsbedingungen von Rassismus als globales Herrschaftssystem zu begreifen, unter denen koloniale Kontinuitäten und diskriminierende Ungleichheiten bis heute global und lokal fortbestehen, sehen wir dementsprechend als Chance in dem Lernprozess, unsere Gesellschaft und Köln als einen Ort für Alle zu gestalten.

Aha, und was macht Ihr jetzt???

In unserem Projekt haben wir 2020 eine interaktive Karte erstellt, mit Hilfe derer Ihr Kölns koloniale Spuren verfolgen könnt. Dazu haben wir zum einen mit dem Projekt „Kopfwelten“ http://www.kopfwelten.org/kp  zusammengearbeitet und die dort aufgeführten Zusammenstellungen im Audioformat aufgenommen. Weiterhin haben wir weitere Orte recherchiert und eigene Beiträge entwickelt. Ihr findet die Karte HIER

Und wir haben versucht, ähnliche Projekte deutschlandweit zu suchen – und die Ergebnisse dazu findet Ihr HIER.

Weiterhin haben wir ein Glossar mit wichtigen Begriffen zusammengestellt, denn ein wichtiges Tun in der antirassistischen Arbeit ist: Zuhören, Lesen, sich informieren, am Ball bleiben. Das Glossar findet Ihr HIER.

Und wir wollen unbedingt (2021) auch Methoden für die Arbeit mit der hier erstellten Karte entwickeln.

Ihr habt noch Fragen? Jarek ist Euer Ansprechpartner für dieses Projekt:

jaroslaw.bak@ihaus.org

Danke

Unser Dank geht an die vielen Menschen, die Geschehnisse analysieren, forschen, neue Impulse geben, großartige Literatur veröffentlichen und mit ihrer Stimme die Stimmen von so vielen hör- und sichtbar, fühl- und erlebbar machen.

Ein ganz besonderer Dank geht an Prof. Dr. Marianne Bechhaus-Gerst, die uns die Texte aus ihrer langjährigen Arbeit zur Verfügung gestellt hat, diese neu formuliert, lektoriert und eingesprochen hat.

Weiterhin danken wir Salman Abdo, Maria Baumeister, Patrick Bewick, Louis Djaiz, Laura Djaiz, Mona Leitmeier, Jonas Linnebank, Flora Dilan Oturan, Serge Palaise und Anthony Vallez.

Außerdem geht unser Dank an das Büro für Diversity Management und die Stelle für Prävention und Abbau von Intoleranz, Diskriminierung und Ausgrenzung im Rahmen von Diversity (IDA)/Abteilung Vielfalt beim Amt für Integration und Vielfalt und in Person an Fabian Stangier, der uns tatkräftig unterstützt und neue Anregungen einbringt.

Weiterhin bedanken wir uns beim Landesprogramm NRWeltoffen, das solche Projekte ermöglichen.

Durch die Kooperation mit dem Willi-Eichler-Bildungswerk konnten die Inhalte des Projektes in die englische und französische Sprache übertragen werden.